GIESSEN (GA). Um 1027 Zuschauer, so die sehr exakt ermittelte und verkündete Publikumszahl, auf die Beine und also ins Waldstadion zu bekommen, dafür musste der VfB 1900 Gießen in der vergangenen Runde locker zwölf Spiele absolvieren. Dem FC Gießen gelingt das mit einer Heimpartie. Und das gegen Viktoria Griesheim, sicher kein Zugpferd der Hessenliga, dazu ein Abstiegskandidat, der diese Rolle am Samstag ebenso eindrucksvoll unter Beweis stellte wie der FC Gießen seine des Mitfavoriten.

Dass ein Fußballspiel bei 35 Grad mit derart klar verteilten Rollen trotzdem 70 der 90 Minuten höchsten Unterhaltungswert bieten kann, ist schon überraschend. Kräfteschonend agierten die Gießener nur die kürzeste Zeit, ihr Ideenreichtum, was unterschiedlichste Angriffsvarianten anging, war nicht nur kurzweilig und gut anzusehen, sondern forderte zurecht immer wieder spontanen Applaus der Zaungäste heraus. Die hielten sich in einer Größenordnung von gefühlt 1000 unter der mit schmucken Sitzschalen bestückten Tribüne und ihren mit Schatten ausgestatteten Nachbar-Stehrängen auf, während der Sonnenhang auf der gegenüberliegenden Seite anscheinend die übrigen 27 Interessierten beherbergte.

Das zu den äußeren Bedingungen, die insofern für ein wenig Diskussionsbedarf beim Bier-und-Worscht-Publikum sorgten, das doch sehr intensiv „lauwarme Schoppen“ beklagte. „Die Sitzschalen sehen klasse aus, aber eine Reihe weniger, dafür drei Kühlschränke mehr, wären auch nicht schlecht gewesen“, meinte einer salopp. Das sind so die kleinen Anlaufschwierigkeiten im großen und guten Ganzen, das durch die Darbietung auf dem nahezu grünen Rasen ein i-Tüpfelchen verpasst bekam.

Lange Bälle von Michael Fink auf die blitzschnellen und ballgewandten Mirkan und Cem Kara, Doppelpass-Stafetten durch die Mitte, punktgenaue Anspiele auf Damjan Marceta und das veritable Mittel, mit Ball am Fuß auf die Grundlinie zu gelangen, um dann exakt im Rücken der Abwehr abschlussbereite Kollegen zu finden – der FC Gießen hatte das gesa mte Offensivrepertoire zu bieten. Wobei die einerseits defensiv, aber nicht zu tief stehenden Gäste, die dazu noch im Eins-gegen-Eins ihren Gastgebern gnadenlos unterlegen waren, auch ordentlich Räume anboten, um ein Angriffsspiel zu entfachen, das auch als Lehr-Video durchgegangen wäre.

Daniyel Cimen, der mit seinen Trainerkollegen an der Seitenlinie briet, musste sich nicht viel bewegen, denn die FC-Maschinerie lief rund. Rund lief auch Michael Fink, dem mancher Zuschauer ein Päuschen gegönnt hätte, doch der 36-Jährige spielte nicht nur durch, sondern hatte auch offensiv einiges zu bieten. Zudem lief er auch in Minute 85 seinem Gegenspieler noch über den ganzen Platz hinterher. Vorbildlich. Vorbildlich auch das Ergebnis: Ein 6:0, das ein Zeichen setzt – das spielerisch gegen andere Kaliber wie Kassel oder Barockstadt bestätigt werden muss. Und dann kommen sicher noch mehr Zuschauer.

Foto: Ben