Marburg (red) – Die Weidenhäuser Brücke ist eines der größten und wichtigsten Bauprojekte, die aktuell in Marburg anstehen. Das Bauwerk wird ab dem 26. Februar grundhaft saniert, die historischen Brückenbauteile restauriert und teilweise rekonstruiert. Die Erhaltungsmaßnahme ist unbedingt nötig, da der Sandstein des Bauwerks bereits durch Streusalz angegriffen ist, das mit Tauwasser durch Risse in der Oberfläche gelangt. Seit Längerem ist die Brücke schon für Lkw, die schwerer als 30 Tonnen sind, gesperrt.

Los geht es mit den Bauarbeiten am 26. Februar. Dafür muss die Brücke, die einen großen Teil des Straßenverkehrs in die Innenstadt beziehungsweise aus der Innenstadt hinaus über die Lahn führt, bis in den Herbst 2018 voll gesperrt werden. Die Stadt investiert rund fünf Millionen Euro. Inklusive ist auch ein Fußgängersteg, der an der Nordseite angebaut wird.

Das wird gemacht:

Bei den anstehenden Bauarbeiten gibt es einiges zu tun: Die historische Sandsteinbrücke aus dem Jahr 1891/92 wird statisch ertüchtigt und verstärkt. Zugleich sollen die historischen Brückengesimse aus Naturstein erhalten und optisch in das Gesamtbild eingefügt werden. Ebenso werden die schmiedeeisernen Geländer restauriert und mit verstärktem Handlauf wieder eingebaut. Teile der bisherigen Fußgängerunterführung und der Treppenanlage aus Stahlbeton im Südwesten der Weidenhäuser Brücke werden zurückgebaut. Dadurch sollen der historische Brückenbogen und der Landpfeiler mit ihren Zierelementen schonend freigelegt und denkmalgerecht restauriert werden. Um das Bild zu komplettieren, werden in diesem Bereich auch Gesimse und Geländer rekonstruiert. Der obere Teil der Stahlbetontreppe wird durch eine neue Stahltreppe ersetzt. Das Zwischenpodest allerdings wird erhalten. Darunter befindet sich ein Pumpenkammerbauwerk.

Die neue Fußwegverbindung wird entlang der Nordseite der Brücke verlaufen. Dafür wird ein Steg als eigenständiges Bauwerk errichtet und mit Stahlkonsolen in das Brückenbauwerk eingebunden. Der Steg dient insbesondere der optischen Aufwertung der Brücke, da er seitlich verlaufende Rohre verdeckt. Bis zum später geplanten Ausbau des Rudolphsplatzes endet der Gehweg, der über den Steg geführt wird, westlich der Brücke. Um das tieferliegende Gelände erreichen zu können, wird eine provisorische Treppe gebaut.

Wichtig ist der Stadt, dass die Originalsubstanz der Brücke bei den Bauarbeiten erhalten wird, ebenso wie die vorhandenen Bäume. Alle Mauerwerke bleiben erhalten. Abbrucharbeiten beschränken sich auf den Rückbau der Gesimse und – soweit unvermeidbar – auf die Natursteine der obersten Mauerwerksschicht. Die originalen Bauteile und Gestaltungselemente werden während der Bauarbeiten geschützt oder sicher eingelagert. Werksteine, teilweise mit Zierwerk, wurden in der Vergangenheit an der kompletten Nordseite und teilweise an der Südseite entfernt. Diese sollen rekonstruiert werden, damit das historische Erscheinungsbild der Brücke wiederhergestellt wird. „Die Brücke mit ihren dreieinhalb Segmentbögen soll wieder optisch so aussehen, wie Stadtbaumeister Louis Broeg sie im 19. Jahrhundert geplant hat”, sagt Baudezernent und Bürgermeister Wieland Stötzel. „Die Stadt und die Denkmalschutzbehörde werden die Bauarbeiten der beauftragten Firma daher eng begleiten.”

Der zeitliche Ablauf und der Verkehr:

Die Bauarbeiten an der Weidenhäuser Brücke werden voraussichtlich bis Spätsommer 2019 dauern. Die Vollsperrung ist vom Baubeginn bis einschließlich Oktober 2018 vorgesehen. Der Verkehr wird sich in der Zeit vermutlich auf die Nordstadt und die Südstadt verlagern. Die Stadt setzt dabei auf Transparenz und die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen: „Im Berufsverkehr stoßen die beiden Bereiche schon jetzt an Kapazitätsgrenzen. Um Staus zu vermeiden, hilft jedes Auto, das nicht fährt”, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Verschiedene Angebote sollen das unterstützen – etwa vergünstigte Jahreskarten für den öffentlichen Personennahverkehr oder ein Shuttlebus von Hauptbahnhof und Afföller zum Pharmastandort.

„Ganz ohne Belastungen für die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer wird die Baustelle nicht umgesetzt werden können”, so Verkehrsdezernent Spies. Die Stadt hofft auf das Verständnis und vor allem auf die aktive Unterstützung aller Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Entlastung soll zum Ende des Jahres die Öffnung einer Fahrspur in eine Richtung über die Weidenhäuser Brücke bringen. Fußgängerinnen und Fußgänger sollen dann auch schon den neuen Steg nutzen können. Die zweite Bauphase dauert voraussichtlich bis September 2019 – dann wird der Verkehr in beide Richtungen wieder uneingeschränkt freigegeben.

Der Bootsverkehr auf der Lahn kann trotz der Bauarbeiten unter der Weidenhäuser Brücke mit Einschränkungen durchfahren. Eine Vollsperrung der Lahn wird es nur während der Auf- und Abbauarbeiten an den Gerüsten geben.

Service für die Bürgerinnen und Bürger:

Mit Beginn der Baumaßnahme wird die Stadt Marburg außerdem eine Service-Telefonnummer sowie eine E-Mail-Adresse freischalten, unter der sich Bürgerinnen und Bürger mit Fragen rund um die Sanierung der Weidenhäuser Brücke melden können. Auf der eigens eingerichteten städtischen Internetseite www.marburg.de/bruecke und in den sozialen Netzwerken wird außerdem regelmäßig über den aktuellen Baufortschritt und die Verkehrssituation in der Stadt informiert.

Hintergrund: Die Sanierung der Weidenhäuser Brücke inklusive Umgestaltung des Rudolphsplatzes wurde bereits 2016 ausgeschrieben. Es ging nur ein Angebot ein, das rund 30 Prozent über der Kostenberechnung des Bauamts der Stadt Marburg lag. Da also kein wirtschaftliches Angebot vorlag, wurde die Ausschreibung durch den Magistrat aufgehoben. Auch aus Gründen der Haushaltskonsolidierung wurde anschließend Einsparpotential gefunden und das Projekt neu ausgeschrieben. Die Stadt spart unter anderem etwa eine halbe Million Euro, weil jetzt unter Vollsperrung der Weidenhäuser Brücke gearbeitet wird – und insgesamt zwei Millionen Euro gegenüber der ersten Ausschreibung. Das schafft den zusätzlichen Vorteil, dass die Arbeiten schneller und hochwertiger gemacht werden können.

 

Die Weidenhäuser Brücke am 1. Februar 2018: In Kürze beginnt die grundlegende Instandsetzung des historischen Bauwerks.
Foto: Heiko Krause, i. A. d. Stadt Marburg