Beim Thema „Erben“ klingeln die Telefone heiß

 

Zimmermann_ganzneu

GIESSEN (kk/red) – Ist mein Erbe noch sicher und kann ich Streit unter den Erben verhindern?
Streitigkeiten nach dem Tod des Erblassers sorgen oft für erbitterte Auseinandersetzungen. Wenn der Nachlass nicht rechtzeitig geregelt wurde, kann es böse Überraschungen geben.
Denn auch das Finanzamt hält gerne die Hand auf.
Kluge Erbschaftsplanung hingegen sichert das Vermögen für nachfolgende Generationen und bewahrt es vor dem Zugriff des Staates. Für die professionelle Gestaltung eines Erbfalls braucht es nicht nur einen kühlen Kopf und die Bereitschaft, sich mit dem Thema tabulos auseinanderzusetzen, sondern vor allem handfeste Informationen.
Was jeder persönlich tun kann, um seinen letzten Willen umzusetzen, und wie man sich als Erbe verhalten sollte, konnten unsere Leser bei unserer Telefonaktion zum Thema „Erbrecht“ erfahren.

Fragen rund um das komplexe Thema „Erben und Vereben“ beantworteten Rechtsanwalt Christoph Zimmermann (Fachanwalt für Familienrecht), Rechtsanwalt Alexander Helduser (Fachanwalt für Erbrecht/Notar) und Rechtsanwalt Sacha Feller (Fachanwalt für Erbrecht).

Hier einige Beispiele:

Frage: Ich bin nach einer Scheidung in zweiter Ehe verheiratet und habe aus der ersten Ehe zwei Kinder. Wie sieht hier die gesetzliche Erbfolge aus?

Antwort von Rechtsanwalt Christoph Zimmermann: Die zweite Ehefrau steht mit den Kindern in der gesetzlichen Erbfolge und bildet mit dieser eine Erbengemeinschaft.

Frage: „Ich habe mit meiner Ehefrau ein gemeinschaftliches Testament gemacht, meine Ehefrau ist nun verstorben. In unserem notariellen Testament ist ausgeführt, dass jeder der beiden Ehegatten von etwaigen Verfügungsbeschränkungen befreit ist. Heißt dies, dass ich jetzt frei verfügen und neu testieren kann?“

Antwort von Rechtsanwalt Alexander Helduser: „Das ist nicht so. Es ist zwar zulässig, im gemeinschaftlichen Testament die Widerrufbarkeit wechselbezüglicher Verfügungen zu erweitern und dem Überlebenden ein freies Widerrufsrecht einzuräumen, dieser Vorbehalt muss aber eindeutig sein und sich eindeutig auf die Befugnis zur abweichenden Verfügung von Todes wegen beziehen.

Da dies hier nicht der Fall ist, sondern Sie in Ihrem Testament wohl nur regeln wollten, dass der überlebende Ehegatte keinen Verfügungsbeschränkungen unterliegt, können Sie zwar jetzt mit „warmer Hand“ zum Beispiel Dinge verteilen oder weggeben,

Sie können aber das Testament nicht ändern.“

Frage: „Meine Mutter, meine Schwester und ich bilden eine Erbengemeinschaft nach meinem Vater. Was können wir tun, um später Streit um unser Haus zu vermeiden?“

Antwort von Rechtsanwalt Sacha Feller: „Je nachdem, wer und in welchem Umfang nutzt, kann sich hier eine Regelung zu Lebzeiten anbieten. Denn wenn bereits einer der „Jüngeren“ seinen Lebensmittelpunkt planen kann und will, kann eine notarielle Vereinbarung getroffen werden. Häufig behält sich die Elterngeneration Nutzungsrechte vor, ein „Kind“ übernimmt zu Alleineigentum; das andere Kind wird ausgezahlt.“

Frage: Wo liegen die Risiken, wenn ich in meinem Testament einzelnen Personen Grundstücke, anderen Wertpapierdepots, wiederum anderen Sammlungen und Geld zugewiesen habe? (Anrufer war verwitwet und hatte keinerlei lebende Verwandtschaft mehr.)

Antwort: Sollte das Testament unklar formuliert sein, stellt sich die Frage, ob hier ein Alleinerbe eingesetzt wurde – der sodann Vermächtnisse auszukehren hat – oder eine so genannte Teilungsanordnung verfügt wurde.

Letztere lässt eine Erbengemeinschaft entstehen, bei der derjenige Miterbe, der „mehr“ erhalten hat, den übrigen zum Ausgleich verpflichtet ist.

Dieses Testament gilt es, auf jeden Fall von professioneller Stelle überprüfen zu lassen.

Frage: Ich habe drei Kinder, einer meiner Söhne wohnt nur zehn Kilometer von mir entfernt, er verweigert aber jeden Kontakt mit mir. Ich habe gehört, dass nach der Erbrechtsreform 2010 das Pflichtteilsrecht jetzt leichter entzogen werden kann. Kann ich meinem Sohn den Pflichtteil entziehen?

Antwort: Wenn Ihr Sohn sich nichts weiter hat zuschulden kommen lassen, als dass er den Kontakt mit Ihnen verweigert, ist dies kein Pflichtteilsentzugsgrund.

Prinzipiell ist es jetzt zwar einfacher, den Pflichtteil zu entziehen, dies betrifft aber nur die Fälle, in denen ein Pflichtteilsberechtigter den Erblasser oder diesem nahestehende Personen schwer körperlich misshandelt oder misshandelt hat.

Dies ist bei Ihnen nicht der Fall. Ein weiterer Pflichtteilsentzugsgrund ist nunmehr auch, wenn ein Pflichtteilsberechtigter zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt worden ist. Wegen was er hier verurteilt worden ist, ist egal. Wenn beides nicht vorliegt, können Sie Ihrem Sohn den Pflichtteil nicht entziehen.

Frage: Ich habe mit meiner Lebensgefährtin ein Haus gebaut. Jeder von uns ist Miteigentümer zu gleichem Anteil. Wenn ich sterbe, erbt meine Lebensgefährtin dann meinen Anteil?

Antwort: Aufgrund der gesetzlichen Erbfolge nicht.

Nur, wenn Sie in einem Testament Ihre Lebensgefährtin als Erbin oder Vermächtnisnehmerin berufen, ist sichergestellt, dass Ihr Miteigentumsanteil auch Ihr zufließt.

Wir bedanken uns bei den Teilnehmern für die finanzielle Unterstützung dieser Informationsveranstaltung.

 

Rechtsanwalt Christoph Zimmermann.   Foto: red

 

Kommentar Funktion geschlossen.