Bundespräsident diskutierte mit Studenten in Gießen

 

Gießen (red) – Das direkte Gespräch mit den Menschen wieder möglich machen: Dieses Ziel will Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Amtszeit verfolgen. Das hat das Staatsoberhaupt bei seinem Besuch am Montagmittag an der Justus-Liebig-Universität (JLU) deutlich gemacht. Begleitet von Ehefrau Elke Büdenbender und Ministerpräsident Volker Bouffier mit Gattin Ursula diskutierte Steinmeier mit 20 ausgewählten Jurastudenten über politisches Engagement, Europa, das Studium an der JLU und seine Erinnerungen an Gießen. Rund 14 Jahre lang hat Steinmeier in Gießen gelebt und hier studiert.

Als er über die Autobahn gekommen sei, habe er als erstes einen alten Schrottplatz wahrgenommen, auf dem er selbst während seiner Gießener Zeit gewerkelt habe, lächelte Steinmeier. „In den letzten Jahren war ich immer mal wieder hier”, erzählte der Bundespräsident, der immer noch Freunde und Bekannte in der Stadt hat. „Hier ist der Grundstein gelegt worden für alles, was man später im Leben braucht”, erklärte das Staatsoberhaupt, das sich dankbar für seine Studienzeit zeigte. „Gießen ist für mich in vielerlei Hinsicht ein Glücksfall gewesen”, ergänzte Büdenbender, ebenfalls JLU-Absolventin. Als echte Vorzüge nannte sie unter anderem die Nähe zu den Professoren an der Universität. Auch Bouffier betonte mit Blick auf das eigene Studium: „Das war eine gute Zeit hier. Sie war sehr munter, und ich habe viel mitgenommen.”

Aus dem Kreis der Studierenden, die das Gespräch mit den Politikern selbst moderierten, kam die Frage, was Parteien tun müssten, um junge Menschen für Politik zu interessieren. Im Rahmen der Debatte über den Ausgang des Brexits habe er sich gewundert, dass sich alle den Kopf über das Ergebnis zerbrochen haben, antwortete Steinmeier. Denn die Abstimmung hätte auch ganz anders ausgehen können, wenn die jungen Leute abgestimmt hätten. Von ihnen erwarte er grundsätzlich, „dass sie sich mindestens interessieren für Politik und sich frühzeitig über die Konsequenzen von Entscheidungen Gedanken machen. Darum geht es”. Er selbst wolle in seiner Amtszeit versuchen, das direkte Gespräch mit den Menschen über Demokratie wieder stärker in den Fokus zu rücken. Es gelte zu erkennen, dass sie keine Selbstverständlichkeit ist und nur erhalten bleibe, wenn sich Menschen dafür engagieren. Jeder müsse seine Rolle im Gemeinwesen erkennen.

Ganz ähnlich argumentierte Steinmeier für den Zusammenhalt Europas. „Das Europa der 27 muss jetzt gefestigt werden. Das ist nicht ganz einfach”, unterstrich er. Denn es gebe Staaten, die zwar die EU nicht verlassen wollten, aber dieselben Gründe wie die Briten gegen die Europäische Union vorbrächten. Der Hinweise darauf, dass die Union in Europa rund 70 Jahre Frieden möglich gemacht hat, reiche allein nicht aus. „Diese geschichtlichen Fakten müssen zusammen mit der Lösung offener Fragen stehen”, meinte der Bundespräsident. Zu diesen Fragen zählte er unter anderem die Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Mittelmeerländern, ebenso wie Aspekte der äußeren und inneren Sicherheit. Besonders wichtig sei darüber hinaus, dass man zu einer europäischen Einigung bei Fragen zum Thema Migration und Flucht komme. „Ohne das haben wir ein Glaubwürdigkeitsproblem”, pointierte der Bundespräsident.

Er freue sich, wieder in Gießen zu sein, hob das Staatsoberhaupt im Anschluss an das Gespräch mit den Studenten hervor. Mit dem Austausch sei er sehr zufrieden, so Steinmeier. Nach einem gemeinschaftlichen Mittagessen mit den Studierenden brach er auf in Richtung Wiesbaden und damit zur nächsten Etappe seines zweitägigen Antrittsbesuchs in Hessen.

Von Stephan Scholz

 

 

In der Mensa der Gießener Uni ließen es sich die Steinmeiers schmecken.    Foto: Friese

 

 

 

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