Lieben und leiden

 

Am Aschermittwoch (zufällig in diesem Jahr auch der Valentinstag, der Tag der Verliebten) beginnt die Passionszeit. Viele nennen sie die Fastenzeit. Aber eigentlich geht es jetzt um mehr als nur ums Fasten.

Passion bedeutet Leiden. Das Leiden des verhöhnten, gefolterten und gekreuzigten Jesus Christus wird uns jetzt ins Bewusstsein gerufen. Was ist der Sinn dieses Leidens? Wäre nicht überhaupt eine Welt ohne Leiden eine bessere Welt? Wenn ich so frage, fällt mir der Satz ein: „Ich kann dich gut leiden.” So reden manchmal die Liebenden. Und könnten damit sagen wollen: Ich will dich nicht nur lieben, wenn du es mir leicht machst. Ich will dich auch lieben und bei dir bleiben, wenn ich Geduld mit dir haben und deine dunklen Seiten ertragen muss. Ich werde dich nicht fallen lassen – egal, was du mir zumuten wirst. Du magst meine Liebe erwidern oder nicht, mich vielleicht sogar ablehnen – ich werde dich lieben, dich gut leiden, für dich zu leiden bereit sein.

Eine so leidensfähige Liebe – gibt es die wirklich? Oft kommt es unterm Leidensdruck zum Bruch der Liebe und zur Trennung, womit das Leiden nicht unbedingt zu Ende ist. Aber in der Passionszeit betrachten wir eine Liebe, die sich dem Leidensdruck nicht gebeugt hat. Jesus ging den Leidensweg zum Kreuz in grenzenloser Liebe. Von dieser Liebe zehre ich, sooft ich an den Möglichkeiten der Liebe zweifle.

Eine Passionszeit mit viel Liebe wünscht Ihnen

Ihr Rainer Staege
Dekan i. R., Marburg

 

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