Medizin- und Arzthaftungsrecht – Telefonaktion mit Rechtsanwältin Anita Faßbender

 

Gießen (klk/red). Für den betroffenen Patienten ist es bei Verdacht eines Behandlungsfehlers nicht einfach zu seinem Recht zu kommen, denn die Beweismittel hält zu hundert Prozent der Verursacher des Fehlers in der Hand. Unsere Expertin im Arzthaftungsrecht, Patientenanwältin mit langjähriger Erfahrung in der Regulierung von Großschäden, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht Anita Faßbender stand anlässlich der MAZ-Telefonaktion „Medizinrecht” am vergangenen Donnerstag unseren Lesern Rede und Antwort.

Hier ein Beispiel:
Ein Anrufer aus dem Kreisgebiet schilderte folgenden Sachverhalt: Er habe einen Unfall erlitten und sei auf das linke Handgelenk gestürzt.
Aufgrund persistierender Beschwerden habe er zwei Tage später die Sprechstunde des Durchgangsarztes aufgesucht. Er befundete nach einem Röntgenbild des linken Handgelenkes in zwei Ebenen, „kein Anhalt für eine Fraktur, Arthrose” und gab als Diagnose, Prellung linkes Handgelenk an. Tatsächlich sei aber fehlerhaft die traumatische Ruptur der Bandverbindung zwischen Mond- und Kahnbein übersehen worden, wie sich nun aufgrund eines Gutachtens herausgestellt habe. Auf den vom D-Arzt gefertigten und befundeten Röntgenaufnahmen sei eindeutig eine Ruptur aller scapholunären Bandsegmente ersichtlich.
Wegen der von ihm nicht erkannten Bandverletzung sei nun eine vollständige Wiederherstellung nicht mehr möglich. Durch die als Folge der Bandverletzung eingetretene Gefügestörung der Handwurzel sei es zu einer Fehlbelastung der Gelenkflächen gekommen, die zu einem vorzeitigen Verschleiß des Handgelenkes (Arthrose) führten.

Kann er Schadensersatzansprüche gegenüber dem D-Arzt geltend machen?

Antwort von Fachanwältin Anita Faßbender
„Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat kürzlich klargestellt, dass regelmäßig ein innerer Zusammenhang zwischen der Diagnosestellung und der sie vorbereitenden Maßnahmen einerseits sowie der Entscheidung über die richtige Heilbehandlung andererseits besteht. Darum sind jene Maßnahmen ebenfalls der öffentlich-rechtlichen Aufgabe des Durchgangsarztes zuzuordnen. Folge dieser Zuordnung ist, dass die Unfallversicherungsträger auch für etwaige Fehler in diesem Bereich haften.

Konkret heißt das für den Verletzten, dass der nach einem Arbeitsunfall aufzusuchende Durchgangsarzt (D-Arzt) für die Berufsgenossenschaft und damit in Ausübung eines öffentlichen Amtes darüber entscheidet, ob eine allgemeine oder eine besondere (fachärztliche Behandlung einer Unfallverletzung, die wegen Art oder Schwere einer besonderen unfallmedizinischen Qualifikation bedarf) Heilbehandlung zu erfolgen hat.

Die dieser Entscheidung vorausgehende Befunderhebung sowie die Erstversorgung des Verletzten gehören ebenfalls zu der öffentlich-rechtlichen Aufgabe des Durchgangsarztes. Kommt es bei den vorbereitenden Maßnahmen oder der Erstversorgung zu Behandlungsfehlern, trifft die Haftung daher die Berufsgenossenschaft.

Übernimmt der Durchgangsarzt dann aber im Rahmen der allgemeinen oder besonderen Heilbehandlung die Weiterbehandlung des Patienten, nachdem er eine Entscheidung über das „ob” und über das „wie” der Heilbehandlung getroffen hat und unterläuft ihm dabei ein Behandlungsfehler, haftet er zivilrechtlich selbst. Der Anrufer muss seine Ansprüche daher gegenüber der Berufsgenossenschaft geltend machen.”

Wir bedanken uns bei der hier abgebildeten Teilnehmerin für die finanzielle Unterstützung dieser Informationsveranstaltung.

 

Rechtsanwältin Anita Faßbender.  Foto: red

 

 

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