Mittelhessische Unternehmen in guter Verfassung

 

Mittelhessen (red) – Die regionale Konjunktur zeigt sich auch zu Jahresbeginn in hervorragender Verfassung. Damit geht der lang anhaltende Aufschwung weiter. Seit nunmehr acht Jahren gibt es mittlerweile ein ordentliches Wachstum. Für das laufende Jahr sagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,7 Prozent voraus. Der regionale Konjunkturklimaindex kommt zum Jahresbeginn auf einen Wert von 122,3. Damit gibt es eine nochmalige Steigerung sowohl gegenüber der Vorjahres- als auch der Herbstumfrage. Das Klima bewegt sich auf einem Niveau wie seit rund zehn Jahren nicht mehr.

Geschäftslage überwiegend „gut”

Die derzeitige Geschäftslage wird ganz überwiegend positiv eingeschätzt: Fast die Hälfte der Unternehmen geben der Gegenwart ein „gut”. Lediglich 10,6 Prozent ordnen die aktuelle Lage schlecht ein. Das ergibt einen positiven Saldo von 37,4 Prozent gegenüber 30,5 Prozent im Vorjahr und 33,7 Prozent im Herbst. Die nahe Zukunft sehen knapp ein Fünftel der Betriebe eher günstiger, während 10,6 Prozent von einem ungünstigeren Verlauf des kommenden halben Jahres ausgehen. Auch hier ergibt sich demnach ein positiver Saldo, der allerdings bei weitem nicht so hoch wie bei der Einschätzung der Gegenwart ist: Aktuell liegt der Saldo bei 8,8 Prozent, im Vorjahr bei 6,3 Prozent und im Herbst bei 7,0 Prozent. Die Gegenwart wird also außerordentlich positiv eingeschätzt. Der nahen Zukunft blickt man vorsichtiger, aber zuversichtlich entgegen.

Sowohl beim Konsum als auch bei den Investitionen und beim Export steht die Ampel auf Grün. Eine weiter niedrige Inflation und steigende Löhne wirken ebenso als Konjunkturmotor wie der stabil laufende Export. Insbesondere wegen der guten wirtschaftlichen Lage in Europa steigen die Exporterwartungen. Und wegen hoher Auslastung und großen Investitionen im Baubereich und in die Infrastruktur brummt auch dieser Bereich. Daher fiel das Wachstum des BIP 2017 mit 2,2 Prozent sehr erfreulich aus. Für 2018 erhöhte der DIHK nun seine Prognose um 0,5 Prozent auf 2,7 Prozent. Diese erfreuliche Entwicklung und der gute Start ins Jahr 2018 ist umso beachtlicher, wenn man die Hindernisse bedenkt, die nach wie vor Sorgen bereiten: der Brexit im Vereinigten Königreich oder mögliche Handelshemmnisse. Doch die deutsche Wirtschaft zeigt sich stabil und solide. Nahezu alle Bedrohungen perlen an den Betrieben ab.

Das aktuell größte Hindernis für eine weitere gedeihliche Entwicklung allerdings ist aus Sicht der Betriebe der zunehmend deutlicher werdende Fachkräftemangel. Im Jahre 2010 sahen 16 Prozent der Betriebe hierin ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Zum Jahresbeginn 2018 sehen 58,7 Prozent der Betriebe des IHK-Bezirks den Fachkräftemangel als größtes Risiko. In einzelnen Branchen liegt der Wert noch weit höher: Vorleistungsgüterproduzenten (87,9%), Medizintechnik (78,6%) und das Baugewerbe (73,9%) führen dieses Liste an. Als zweitgrößtes Risiko werden mit einigem Abstand die gestiegenen Arbeitskosten (43,5%) identifiziert, gefolgt von einem Dreier-Block, der hohe Energiepreise, eine unsichere Inlandsnachfrage und die politischen Rahmenbedingungen mit jeweils rund einem Drittel nennt.

Beste regionale Ergebnisse aus dem Landkreis Gießen

Im Landkreis Gießen wurde ein Klimaindex von 128,4, gegenüber 126,0 im Vorjahr ermittelt – und damit die besten Ergebnisse erzielt. Die Betriebe aus dem Wetteraukreis kommen auf einen Klimaindex von 125,4 und blicken somit auf eine klare Steigerung gegenüber dem Vorjahr mit 116,7 zurück. Wie so oft ist der Vogelsbergkreis abgeschlagen. Die Betriebe um Alsfeld und Lauterbach kommen auf einen Klimaindex von 103,5. Damit hat man sich sowohl gegenüber dem Vorjahr (106,4) als auch gegenüber der Herbstumfrage (111,7) verschlechtert. Die Frage liegt nahe, wo der Klimaindex im Vogelsberg landet, wenn die konjunkturelle Entwicklung nach unten weist. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert, ermittelt aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen.

Betriebe aus Landkreis Gießen und Wetteraukreis auf Augenhöhe

Zum Vergleich: Der Klimaindex aller hessischen Betriebe liegt bei 129,5. Damit bewegen sich die Betriebe aus dem Landkreis Gießen und dem Wetteraukreis mehr oder weniger auf Augenhöhe. Dies ist erstaunlich, da traditionsgemäß die hessischen Ergebnisse immer höher liegen als die unserer IHK. Grund ist die höhere Exportverflechtung, vor allem im Rhein-Main-Gebiet.

Nach Branchen betrachtet kommen die besten Ergebnisse aus der Industrie (126,4) und dem Baugewerbe (131,0). Auch das Gastgewerbe (131,7) ist zufrieden. Schwierig ist die Lage nach wie vor für den regionalen Einzelhandel, der auf einen Klimaindex von 98,9 kommt. Klarer Grund dafür ist die Konkurrenz durch den Online-Handel.

Das aktuell größte Hindernis für eine weitere gedeihliche Entwicklung allerdings ist aus Sicht der Betriebe der zunehmend deutlicher werdende Fachkräftemangel.
Foto: RainerSturm  / pixelio.de

 

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