Scheidung. Und was kommt jetzt?

 

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Wir bedanken uns bei den beiden Teilnehmern für die finanzielle Unterstützung dieser Informationsveranstaltung.

GIESSEN (red) – Jede dritte Ehe endet heutzutage nicht durch den Tod eines Partners, sondern vor dem Familienrichter. „Ich lasse mich scheiden!“ ist also schnell gesagt.

Doch: Was muss alles beachtet werden?
Das Familienrecht ist nämlich sehr komplex und durch die Besonderheiten des jeweiligen Falls gekennzeichnet. Vor allem, wenn man gemeinsame Kinder hat, kann es schwierig werden. Und dann kommen noch ständig neue rechtliche Grundlagen hinzu.

Auf all diese und viele weitere Fragen wussten die Fachanwältin für Familienrecht Regina Risken und der Fachanwalt für Familienrecht Christoph Zimmermann anlässlich unserer Leser-Telefonaktion am vergangenen Donnerstag eine Antwort.

Hier zwei Beispiele:
Ein Anrufer fragte, ob ein Ehevertrag für jemanden erforderlich sei, der mit erheblichem Vermögen eine Ehe schließe, gemeint war damit, ob das Risiko besteht, das Vermögen im Scheidungsfall teilen zu müssen.

Die Antwort von Rechtsanwalt Christoph Zimmermann: Dafür brauche man einen Ehevertrag nicht, weil das Gesetz bereits regelt, dass dasjenige Vermögen, was man in die Ehe einbringt, nicht geteilt werden muss. Lediglich für Vermögenszuwächse kommt in Betracht, dass sie im Scheidungsfall geteilt werden müssen.“

 

Ein Anrufer fragte: „Mir wurde nunmehr durch das Sozialamt mitgeteilt, dass ich verpflichtet bin, Elternunterhalt in Höhe von 250 Euro monatlich zu zahlen. Ich habe gehört, dass ein solcher Unterhaltsanspruch unter Umständen verwirken kann. Könnte dies auf mich zutreffen?“

Antwort von Rechtsanwältin Regina Risken: „Hierzu müsste ich natürlich nähere Informationen von Ihnen erhalten. Grundsätzlich kann ein Elternunterhaltsanspruch auch verwirkt sein. In Betracht kommen:

1. Verwirkung durch Zeitablauf oder

2. Verwirkung nach Paragraph 1611 BGB,
a. wenn der Unterhaltsberechtigte durch sittliches Verschulden bedürftig geworden ist
b. seine Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem Pflichtigen gröblich vernachlässigt hat oder
c. sich gegenüber dem Unterhaltspflichtigen oder einem nahen Angehörigen des Unterhaltspflichtigen einer vorsätzlichen schweren Verfehlung schuldig gemacht hat.

3. Als Verwirkungsgrund kommt auch mangelnde Altersvorsorge in Betracht.

4. Zu guter Letzt ist auch die Kontakt- und Beziehungslosigkeit beziehungsweise Vernachlässigung als Verwirkungsgrund zu nennen.

Rechtsfolge der Verwirkung ist nicht immer der vollständige Ausschluss eines Unterhaltsanspruchs, sondern dessen Reduzierung auf eine Höhe, die der Billigkeit entspricht. Nur wenn die Inanspruchnahme des Verpflichteten grob unbillig wäre, fällt die Unterhaltsverpflichtung vollständig weg.

 

Regina Risken.

 

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