Endlich wird es Frühling. Bald werden die ersten Schmetterlinge in der warmen Frühlingssonne zu sehen sein. Die zarten, schönen Schmetterlinge erinnern mich seit einiger Zeit, seit ich einmal davon gelesen habe, an den sogenannten „Schmetterlingseffekt”. Das ist in der Wissenschaft eine gängige Bezeichnung für die Erkenntnis, dass in einer komplexen Welt manchmal ein winziger Anstoß dazu führen kann, dass am Ende etwas Gewaltiges geschieht oder das alles ganz anders ausgeht, als man zunächst vermutete. Zum Beispiel, dass der minimale Luftwirbel eines Schmetterlings letztlich den Ausschlag dafür geben kann, dass sich ein Tiefdruckgebiet ganz anders entwickelt, als es ohne diesen Schmetterling gekommen wäre.

Also Sonne statt Orkan, wegen eines einzigen Schmetterlings. Oder auch umgekehrt: Statt Sonne satt entsteht ein Hurrikan. Schon ziemlich verrückt, aber doch recht anerkannt in der gegenwärtigen Wissenschaft.

Seit ich diese Theorie kenne, sehe ich manche Worte von Jesus in einem ganz neuen Licht. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”… ob das wirklich die Welt verändert? Mit dem Schmetterlingseffekt im Hinterkopf macht das plötzlich ganz neu Sinn. Eben weil durch eine kleine Veränderung unseres Welt-Systems, ein kleines Tun meinerseits, dann manches ganz anders kommen könnte… Das macht mir Mut, selber Schmetterling zu sein. Kleine Impulse weiterzugeben, und zu hoffen, dass sich damit wirklich viel mehr verändert, als ich es je für möglich gehalten hätte.

Ihr Rainer Wilhelm
Pfarrer in Kirchhain