„Tom-Mutters-Straße“ eingeweiht

 

Marburg (mb/red) – Tom Mutters steht in besonderer Weise für das soziale Marburg. Er ist der Gründer der Lebenshilfe, die 1958 in der Universitätsstadt ihre Anfänge hat. Mutters verstarb im Februar 2016. Um ihn für sein Lebenswerk zu ehren, hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, ihm eine Straße zu widmen: Ein Teil der Industriestraße in Wehrda, in dem sich auch die Lahnwerkstätten der Lebenshilfe befinden, wurde daher nun nach ihm benannt.

Das Straßenschild enthüllte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies während eines Festakts in der bisherigen Industriestraße. Damit trägt der Teilabschnitt vor den Lahnwerkstätten – von der Kreuzung Industriestraße/Cölber Straße/Am Kaufmarkt bis zum Wendekreisel – nun den Namen Tom-Mutters-Straße. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Juni einstimmig beschlossen, das Teilstück der Industriestraße Tom Mutters zu widmen.

„Ohne Zweifel hat Tom Mutters das Leben von Menschen mit Behinderung in einer Weise verändert, die ihresgleichen sucht”, sagte Spies nach der Enthüllung des Straßenschildes bei der Feierstunde in den Lahnwerkstätten des Lebenshilfewerkes Marburg-Biedenkopf. „Er machte sich auf, das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung zu verbessern, und es ist ein großes Glück für diese Stadt, dass sein Bestreben von hier ausging. Tom Mutters steht wie kaum ein anderer für das soziale Herz Marburgs.” Die Umbenennung der Straße nach ihm sei eine Möglichkeit, ihn in der täglichen Erinnerung zu behalten und die Menschen darauf aufmerksam zu machen, wer Mutters war und was er geleistet hat. „Er hat uns alle verändert, indem er uns eine weitere Sicht auf den Umgang mit Menschen mit Behinderung ermöglicht hat”, so das Stadtoberhaupt.

„In dieser Straße, in der die Lahnwerkstätten ansässig sind, soll der großartigen Leistung von Tom Mutters gedacht werden”, sagte auch Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk. „Wir sind stolz, dass er sein großartiges Lebenswerk hier begründet und damit eine gesellschaftliche Veränderung in Gang gesetzt hat.”

Professor Dr. Jeanne Nicklas-Faust, Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe, beschrieb die Persönlichkeit von Tom Mutters, der mit visionärer Kraft und Gestaltungswillen dazu beigetragen habe, dass Menschen mit Behinderung mit einem neuen Selbstbewusstsein aufwachsen können. „Ohne ihn gäbe es keine Lebenshilfe, die Gedanken zur Selbsthilfe ganz pragmatisch angeht.” Herbert Burger, Ehrenmitglied der Bundesvereinigung Lebenshilfe, ergänzte, dass Eltern, Menschen mit geistigen Behinderungen, Ehrenamtliche und Angestellte gemeinsam mit allen Kräften daran arbeiten, die Idee des Lebenshilfe-Gründers mit Leben zu füllen.

Auch Bürgermeister Wieland Stötzel, der Ortsbeirat von Wehrda, der Behindertenbeirat der Stadt Marburg, aktive und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe und Anliegerinnen und Anlieger nahmen an der Veranstaltung teil. Für die Familie des Geehrten sprach Professor Dr. Reinier Mutters. Der Singkreis der Lahnwerkstätten Marburg begleitete den offiziellen Teil der Feier passenderweise mit dem Lied „Möge die Straße”. Holger Gesche begleitete das Programm auf der Geige.

Im Anschluss an die offiziellen Feierlichkeiten lasen zudem die Autoren Markus Becker und Klaus Kächler aus dem Buch „Tom Mutters. Pionier, Helfer, Visionär”. Die Mutters-Biografie erschien im Oktober 2016 und beschreibt detailliert den Lebensweg des Niederländers.

Bei der Umbenennung der Straße hat die Stadt zuvor auch die Anliegerinnen und Anlieger einbezogen. Insgesamt 48 Unternehmen und 7 Privatpersonen wurden über die Idee der Straßenumbenennung informiert und um ihre Meinung gebeten. Die Mehrheit der Rückmeldungen sprach sich für den neuen Namen aus. Spies dankte in seiner Ansprache den Anliegerinnen und Anliegern, die diese Umbenennung mittragen, obwohl es einen erheblichen Aufwand für sie bedeute. Firmen müssen dadurch etwa ihre Adressangaben ändern, beispielsweise auf Drucksachen.

Hintergrund: Am 23. November 1958 legte Tom Mutters den Grundstein für die Lebenshilfe: Er lud nach Marburg ein, um gemeinsam mit Eltern und Fachleuten den Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind” zu gründen. Heute ist sie bekannt als Bundesvereinigung Lebenshilfe, avancierte zu einem wichtigen Träger für die Unterstützung von Menschen mit geistigen Behinderungen. Darüber hinaus hat er durch sein Engagement grundsätzliche Fragen des Umgangs mit Menschen mit Behinderung weiterentwickelt und so das moderne Verständnis von Inklusion geprägt. Tom Mutters wurde am 23. Januar 1917 in Amsterdam geboren und verstarb am 2. Februar 2016 in Marburg.

 

Freuen sich über die eingeweihte Tom-Mutters-Straße in Marburg: Früherer Bundesgeschäftsführer der Bundesvereinigung Lebenshilfe Bernhard Conrads (v. l.), die Behindertenbeauftragte des Landes Hessen Maren Müller-Erichsen, Bundesgeschäftsführerin der Bundesvereinigung Prof. Jeanne Nicklas-Faust, Frauenbeauftragte der Lahnwerkstätten Eva Nicklas, Oberbürgermeister Thomas Spies, Ehrenmitglied der Bundesvereinigung Lebenshilfe Herbert Burger, Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk und Prof. Reinier Mutters.      Foto: Kächler

 

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