Verbraucherinsolvenz mit vielen Fragezeichen

 

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Wir bedanken uns bei dem Teilnehmer der Telefonaktion für die finanzielle Unterstützung dieser Informationsveranstaltung.

GIESSEN (kk/red). Die Themen „Insolvenz“ und „Zahlungsunfähigkeit“ sind heutzutage sowohl bei Unternehmen als auch in privaten Haushalten präsent.
Für Privatpersonen, die von Überschuldung bedroht sind, hat der Gesetzgeber eigens ein Verbraucherinsolvenzverfahren geschaffen.

Seit wenigen Jahren gilt überdies ein neues Insolvenzrecht, das Firmen mit Zahlungsproblemen dazu bewegen soll, sich schneller als bisher Unterstützung beim Insolvenzrichter zu suchen. Im Gegenzug wird ihnen mehr Schutz vor Gläubigern versprochen sowie weitgehende Mitsprache bei der Sanierung. Für Unternehmen ergeben sich daraus wiederum besondere Fragen.
So gilt etwa trotz der missverständlichen allgemeinen Bezeichnung mit dem Oberbegriff als Verbraucherinsolvenz das so genannte Restschuldbefreiungsverfahren für Verbraucher und Unternehmer gleichermaßen.

Unser Experte am MAZ-Lesertelefon, der Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht, Tim Schneider, stand fleißig Rede und Antwort.

 

Hier ein typisches Beispiel:

Frage: „Wie verhält es sich, wenn ich während einer Verbraucherinsolvenz selbstständig tätig bin?“

Antwort von Rechtsanwalt Tim Schneider: „Trotz der missverständlichen allgemeinen Bezeichnung mit dem Oberbegriff als Verbraucherinsolvenz gilt das so genannte Restschuldbefreiungsverfahren für Verbraucher und Unternehmer gleichermaßen.

Das Gesetz selbst räumt dem Schuldner ein Wahlrecht ein, ob er während der sechsjährigen „Treuhandphase“ einer selbstständigen oder nichtselbständigen Tätigkeit nachgehen will. Auch ein Wechsel zwischen den verschiedenen Beschäftigungsformen ist möglich.

Damit eröffnet sich mit dieser Regelung für einen persönlich haftenden Kleinunternehmer die Möglichkeit, seine Geschäfte trotz Insolvenz und Restschuldbefreiung weiterzuführen. Dazu sagt Paragraf 295 II InsO ausdrücklich, dass der Schuldner auch im Restschuldbefreiungsverfahren selbstständig tätig sein kann, solange er „die Insolvenzgläubiger durch Zahlung an den Treuhänder so stellt, wie wenn er ein angemessenes Dienstverhältnis eingegangen wäre.“

 

Rechtsanwalt Tim Schneider.   Foto: red

 

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