Was darf ich als Rentner hinzuverdienen?

 

(red) – Wer auf eine gesetzliche Rente angewiesen ist, gehört selten zu den Wohlhabenden im Lande. Gerade bei Frauen reichen die monatlichen Bezüge oft nur für das Nötigste. Um sich auch mal größere Anschaffungen leisten zu können, gehen immer mehr Rentner einer Beschäftigung nach und bessern so das magere Altersruhegeld auf. Wichtig sind dabei die Hinzuverdienstgrenzen – je höher diese ausfallen, desto mehr Geld kann dem Rentner insgesamt zur Verfügung stehen. Die ARAG-Experten erklären, welche Regeln zu beachten sind, wenn es um den Hinzuverdienst zur Rente geht.

Das Wichtigste
Die gute Nachricht: Ja, es ist erlaubt, als Rentner einen Nebenjob zu haben. Ist die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht, muss die Beschäftigung allerdings dem Rentenversicherungsträger gemeldet werden. Egal in welchem Alter, die Einnahmen müssen zudem versteuert werden, wenn es sich nicht um einen Minijob handelt und die Rentner zusammen mit ihrer Rente über dem Grundfreibetrag liegen. Seit dem 1. Juli 2017 ist der Hinzuverdienst zur Rente deutlich flexibler geregelt, als dies bislang der Fall war.

Mit Einführung der sogenannten „Flexi-Rente” sind die festen Hinzuverdienstgrenzen entfallen. Stattdessen können Rentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze 6.300 Euro pro Jahr anrechnungsfrei hinzuverdienen. Von dem darüber liegenden Verdienst werden 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Das gilt auch für Erwerbsminderungsrenten. Die bisherigen starren Teilrentenstufen und Verdienstgrenzen sind dadurch entfallen. Alternativ gibt es nach der Neuregelung die Möglichkeit, die Höhe der Teilrente von vorneherein selbst festzulegen. Sie muss mindestens zehn Prozent der Vollrente betragen. Daraus ergibt sich dann gleichzeitig die individuelle Hinzuverdienstgrenze. Auskunft über die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten im Hinblick auf Teilrente und Hinzuverdienst kann der Rentenversicherungsträger geben. Für einen ersten Überblick haben wir die Regeln bei den gängigsten Rentenarten zusammengestellt.

Müssen für den Hinzuverdienst Steuern gezahlt werden?
Wenn mehr als 450 Euro im Monat hinzuverdient werden, bedeutet das eine Sozialversicherungspflicht und zusätzlichen Einnahmen müssen versteuert werden – vorausgesetzt, Rente und Nebenverdienst liegen insgesamt über dem steuerlichen Grundfreibetrag.

Keine Hinzuverdienstgrenze bei Regelaltersrente
Wenn die Regelaltersgrenze erreicht ist und eine Altersrente bezogen wird, darf grundsätzlich unbegrenzt zur Rente hinzuverdient werden. Die monatliche Rentenzahlung wird nicht beeinflusst. Auch eine Verpflichtung, die Beschäftigung  Rentenversicherungsträger zu melden, besteht nicht. Unter Umständen müssen die zusätzlichen Einnahmen aber versteuert werden.

Rente vor Erreichen der Regelaltersgrenze
Im Fall einer vorgezogenen Altersrente, beispielsweise der Rente mit 63, wird die Rente bis zu einem jährlichen Hinzuverdienst von 6.300 Euro als Vollrente ausgezahlt, d.h. die Rente wird in voller Höhe ausbezahlt. Diese Grenze gilt in den alten und neuen Bundesländern gleichermaßen. Der Nebenjob und der Verdienst muss dem Rentenversicherungsträger gemeldet werden. Ist die Regelaltersgrenze erreicht, kann wiederum unbegrenzt hinzuverdient werden.

Was passiert, wenn der Hinzuverdienst größer ist?
Das ist ganz einfach: Liegt der Hinzuverdienst über der gesetzlich geregelten Hinzuverdienst-Grenze von 6.300 Euro im Jahr, wird etwas von der Rente abgezogen. Und zwar 40 Prozent des Betrages, der über 6.300 Euro hinausgeht. Je nachdem wie viel hinzuverdient wurde, gibt es weniger Rente oder sogar gar keine. Ein Beispiel: Ein Rentner bezieht eine vorgezogene Altersrente von 900 Euro im Monat. Daneben verdient er in seinem Job noch monatlich 1.400 Euro. Das ergibt einen Jahresverdienst von 16.800 Euro. Wird der Freibetrag von 6.300 Euro abgezogen, bleiben noch 10.500 Euro. Auf den Monat umgerechnet, sind das 875 Euro. 40 Prozent davon, also 350 Euro, werden auf seine Rente angerechnet. Er erhält deshalb nur noch eine monatliche (Teil-)Rente von 550 Euro ausbezahlt.

Kann unbegrenzt zur Rente hinzuverdient werden?
Nein, denn der Gesetzgeber hat mit dem Flexirenten-Gesetz eine persönliche Obergrenze für den Hinzuverdienst eingeführt. Für den sogenannten Hinzuverdienstdeckel wird das höchste Einkommen aus den letzten 15 Kalenderjahren vor Beginn der Altersrente herangezogen. Die Entgeltpunkte dieses Jahres werden mit der jeweils geltenden monatlichen Bezugsgröße multipliziert. Liegen gekürzte Rente und Hinzuverdienst zusammen darüber, wird der übersteigende Verdienst zu 100 Prozent auf die Teilrente angerechnet. Hätte ein Rentner in dem oben genannten Beispiel einen individuellen Hinzuverdienstdeckel von 1.800 Euro, würde der Hinzuverdienst zusammen mit der Teilrente (1.400 Euro + 550 Euro = 1.950 Euro) diesen Betrag um 150 Euro überschreiten. Die verkürzte Rente würde sich also um 150 Euro auf 400 Euro reduzieren. Gut zu wissen: Da die monatliche Bezugsgröße in der Rentenversicherung jährlich erhöht wird, kann sich auch der Hinzuverdienstdeckel entsprechend nach oben ändern, so ARAG-Experten. (Quelle: ARAG)

Auch als Rentner darf hinzuverdient werden!                                                         Foto: Uwe Wagschal  / pixelio.de

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