Weber mit „goldenem Schiffchen“

 

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In der Weberei Egelkraut wurden Echtgoldfäden zu Brokatstoffen verwebt
Schwalmstadt (bw). Wer kennt nicht das Märchen Rumpelstilzchen der Brüder Grimm in dem die Müllerstochter Stroh zu Gold spinnen soll. Das kann der Weber Udo van der Kolk nicht – aber er webt aus echten Goldfäden märchenhafte Brokatstoffe. Die werden anstelle eines Hochaltars zukünftig eine Kirche in Nordrhein-Westfalen schmücken.
Die Weberei Egelkraut in Trutzhain ist bekannt für ihre Aussage: „Wir weben alles was glitzert und glänzt!“. Trotzdem hätte sich Inhaber van der Kolk nie träumen lassen, dass auf den Webstühlen aus den 50er Jahren Brokatstoffe aus „echtem Gold“ produziert werden sollen.
„Das war eine Freude und echte Herausforderung, als der Auftrag bestätigt wurde“, erinnert sich van der Kolk. Auf einem Markt hatte er ein Künstlerpaar kennen gelernt, er Goldschmied und sie Weberin, mit dem er ins Gespräch kam. Beim Fachsimpeln ging es um das Thema: „Stoffe weben aus echtem Gold“. Das Paar war mit der Neugestaltung im Inneren einer Kirche beauftragt. Bei der vorherigen Renovierung war der Hochaltar entfernt worden und für den wurde eine schlichte und zeitlose Alternative gesucht. Die Künstler entwarfen eine Installation aus fünf Stelen, die mit dem Überzug aus goldenem Stoff einen edlen Akzent setzen sollen.
Die Goldfäden fertigte eine Fabrik für Leonische Waren (Manufaktur) speziell für diesen Auftrag an. Dafür wurde ein Grundstoff aus Baumwolle mit Kupfer überzogen und in ein Bad aus echtem Gold getaucht. Gewebt wurden insgesamt fünf Bahnen mit einer Länge von je 6,50 Meter in fünf verschiedenen historischen Mustern.
Beim Besuch in der Weberei scheint die Herbstsonne durch die großen Fenster, die goldenen Kettfäden am Webstuhl leuchten wie Engelshaar im Licht und das daraus entstandene goldene Brokatgewebe zieht den Blick auf sich. Schussfäden in zwei Garnstärken setzen Lichtakzente und sorgen für die plastischen Muster. Die lieferten, die ebenfalls seit Jahrzehnten bewährten Lochkarten auf denen die Muster gespeichert sind.
Was sich nach der Fertigstellung so leicht anhört, war in Wirklichkeit sehr arbeitsintensiv. „Es bestand immer die Gefahr, dass ein Faden reißt, sich andere verhaken und ein großes Wirrwarr entsteht“, beschreibt van der Kolk seine Sorge. „Die Bahnen mussten aber makellos sein und so beobachtete ich ständig den Webstuhl und den Lauf des Schiffchens.“
Nach der Fertigstellung ist vander Kolk die Freude über die erfolgreich abgeschlossene Herausforderung anzusehen. Mittlerweile haben alle Stoffbahnen ihre Reise in eine Kirche in Nordrhein-Westfalen angetreten. Sie hinterlassen in der Weberei „eine aus reinem Glanz strahlende Lücke“. Dem Besucher kommt es vor, als wäre es ein wenig dunkler geworden in der Weberei.

Weber Udo van der Kolk am Webstuhle mit dem kostbaren Brokat und dem „goldenen Schiffchen“. (Foto: Wirdl)

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