Marburg (fzi) – Autogramme, Fotos, Fragen stellen – der oscarprämierte Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und Schaupieler Tom Schilling besuchen das Cineplex Marburg und lassen einige Träume in Erfüllung gehen.

Mit seinem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ wurde Henckel von Donnersmarck mit einem Oscar prämiert, mit „The Tourist“ mit Angelina Jolie und Johnny Depp schnupperte er die Luft Hollywoods und nun ist er wieder in Deutschland aktiv. Auch sein Film „Werk ohne Autor“ scheint wieder ein Erfolg zu werden: er geht bei den Oscar-Verleihungen 2019 für Deutschland ins Rennen.

Zum Film: Zu Zeiten der deutschen Teilung gelingt dem jungen Künstler Kurt Barnert (Tom Schilling) die Flucht aus der DDR in die Bundesrepublik. Doch ein friedliches Leben will sich für ihn nicht einstellen – zu sehr plagen ihn seine Kindheits- und Jugendtraumata, die er während der Herrschaft der Nazis und der SED-Zeit erlitten hat. Doch dann lernt er die Studentin Elizabeth (Paula Beer) kennen und damit die Liebe seines Lebens, die er bald heiratet. Plötzlich gelingen ihm Bilder, mit denen er nicht nur seine eigenen Erlebnisse verarbeitet, sondern auch die einer ganzen Generation. Doch Kurts Glück wird durch das schwierige Verhältnis zu seinem undurchsichtigen Schwiegervater Professor Seeband (Sebastian Koch) überschattet. Denn dieser trägt einige Schuld an den schwerwiegenden Ereignissen in Kurts Leben.

Angelehnt ist das Drama „Werk ohne Autor“ an das Leben des Künstlers Gerhard Richter. Dessen Urteil, der Film sei reißerisch, kursierte in den vergangenen Tagen im Netz und den Zeitungen, obwohl öffentlich wurde, das Richter lediglich den Trailer gesehen hat. Kein Wunder also, dass das auch die Fans im vollbesetzten Saal des Marburger Cineplex‘ beschäftigt. Laut Henckel von Donnersmarck ist „Werk ohne Autor“ jedoch ausdrücklich keine Filmbiografie.

Verkörpert wird die Hauptfigur Künstler Kurt Barnert von Schauspieler Tom Schilling (Oh Boy, Who am I – Kein System ist sicher). Beide hatten schon früh eine Affinität für die Kunst, denn ursprünglich wollte Schilling Maler werden, wie kam es also zu diesem Umschwung?
„Ich habe immer super gerne gezeichnet und ich hatte eine Kunstlehrerin die dieses Talent festgestellt hat und mich förderte. Sie schickte mich zu Volkshochschulen und während sich andere Jungs in meinem Alter mit anderen Mädchen getroffen haben, habe ich gemalt. Eine Zeit lang wollte ich Maler werden, aber dann kam die Schauspielerei dazwischen und bevor ich mit der Schule fertig war, hatte ich schon den Film ‚Crazy‘ (2000) gedreht, in dem ich merkte, dass ich das vielleicht kann, dass es ein Talent sein könnte, die Schauspielerei. Der Zuspruch und die Anerkennung, die ich dort bekommen habe, habe ich als Jugendlicher gebraucht. Jedoch ahnte ich da noch nicht, dass es auch ein schwieriger Beruf sein kann. Der Anfang ist immer einfach, aber dabei zu bleiben und sich zu etablieren ist sehr schwer.“
Dass Schilling sich etabliert hat, kann er in „Werk ohne Autor“ wieder beweisen. Mit vergleichsweise wenig Text schafft es Schilling die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und lässt sie mitfühlen, wie es seiner Rolle ergeht und wie schwer die traumatischen Erlebnisse auf ihm lasten.

Schwer und gleichzeitig leicht regt der Film von Henckel von Donnersmarck zum Nachdenken an. Die Euthanasie im Zweiten Weltkrieg, ein viel zu selten beachtetes Thema in der Filmbranche, wird in Gänsehautmomenten behandelt, Schicksale lassen den Zuschauer einen kalten Schauer über den Rücken laufen und trotzdem überwiegen die schönen Momente in dem Film, der trotz der Dramatik des Öfteren schmunzeln oder gar lachen lässt.

Das sehen auch die Kinobesucher so, die nach der Fragerunde im Saal noch die Möglichkeit haben Fotos zu machen und Autogramme zu bekommen. Stunden nehmen sich Henckel von Donnermarck und Schilling am späten Abend Zeit, um ihren Fans näher zu kommen und scheuten vor keinem Gespräch, bis auch die Allerletzen ihr Foto oder Autogramm bekommen haben.

„Werk ohne Autor“ ist ein weiteres Meisterwerk von Henckel von Donnersmarck, das sich zu sehen lohnt. Der Film ab zwölf Jahren läuft ab sofort im Cineplex Marburg.

 

(v.l. Marion Closmann, Geschäftsführerin des Cineplex Marburg, Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, Moderatorin der Fragerunde Petra Trampe und Schauspieler Tom Schilling.                                                                                         Foto: Seibert